Echte und falsche Kapitälchen

Schriften haben verschiedene Schnitte. So gibt es regular, bold, italic, etc. Einige Schriften haben auch einen weiteren Schriftschnitt, mit dem Texte besonders ausgezeichnet werden können: den Kapitälchen-Schnitt.

In diesem Artikel möchte ich erklären, was Kapitälchen sind und wann diese eingesetzt werden können und wann lieber nicht.

Was sind Kapitälchen (Small Caps)?

Kapitälchen sind Großbuchstaben (Versalien bzw. Majuskeln), die so hoch sind wie die Normalhöhe der Kleinbuchstaben (Gemeinen). Der eigentliche (erste) Großbuchstabe bleibt gleich; die nachfolgenden Großbuchstaben gehen als Kapitälchen von der Grundlinie zur Oberkante der ansonsten eingesetzten Kleinbuchstaben.

Kapitälchen werden heute gern als Stilvariante für die Auszeichnung von Namen oder für die ersten Wörter eines Absatzes nach der Überschrift eingesetzt.

Wir empfehlen:
InDesign-Video-Training - Moderne Praxis

Abgrenzung Kapitalschrift und Kapitälchenschrift

Die Kapitälchenschrift (Small Caps) lässt sich leicht von der Kapitalschrift (die Kapitalis oder Capitalis) abgrenzen. Die Kapitalschrift besteht nur aus Großbuchstaben (Majuskeln) und die Kapitälchenschrift aus einer großen Majuskel als Versal und kleinen Majuskeln als Kapitälchen.

Die Kapitalschrift bietet sich für Überschriften, Logo-Typos, Buch- und Magazintitel sehr gut an, weil sie auffallend und “laut” ist. Im Fließtext dagegen wirkt die Kapitalschrift für Auszeichnungen ein wenig zu laut. Daher bietet sich dort der Einsatz von Kapitälchen für die Auszeichnung von beispielsweise Eigennamen an, die sich harmonisch in den Fließtext einfügen. Gelegentlich findet man die Kapitalschrift auch als Auszeichnung für die ersten Worte eines neuen Kapitels (oder nach der Überschrift). So gesehen etwa bei Jonathan Franzen: Die Korrekturen, 11. Auflage, Rowohlt Taschenbuch Verlag. Noch ein wenig eleganter ist – meines Erachtens – für Auszeichnungen von Satzanfängen neuer Kapitel oder nach Überschriften die Kapitälchenschrift.

Beispiele für die Anwendung von Kapitalschrift in Buch- und Magazintitel:

Kapitalschrift im Einsatz

Echte und falsche Kapitälchen – wo lauert die Gefahr?

Der Kapitälchenschnitt wird vom Schriftdesigner Zeichen für Zeichen entworfen, sodass auch die Strichstärken zu den restlichen Schnitten der Schrift passt. Zahlreiche Open-Type-Schriften – wie beispielsweise Minion Pro, Adobe Garamond Pro oder Adobe Jenson Pro – haben Kapitälchen-Schnitte, sodass bei diesen bedenkenlos die Schaltfläche für die Kapitälchen in InDesign aktiviert werden kann. Dann verwendet man echte Kapitälchen.

Verfügt eine Schriftart nicht über einen Kapitälchen-Schnitt, so wird die Kapitälchen-Ansicht computergeneriert. Dann spricht man von falschen Kapitälchen. Auffällig bei den falschen Kapitälchen sind die dünneren Strichstärken gegenüber den Anfangsversalien und gegebenenfalls auch Laufweitenunterschiede. Bei längeren Texten im Kapitälchen-Stil fällt besonders ins Auge, wie die Großbuchstaben fetter erscheinen und damit betont wirken. Das kommt daher, dass InDesign die Kapitälchen zu einer kleineren Schriftgröße in Verrechnung setzt, die Versalien also einfach runterskaliert. Echte Kapitälchen sind gegenüber falschen Kapitälchen ein wenig breiter, weil die Strichstärke vom Schriftdesigner ästhetisch an die “normalen” Versalien angepasst wurde. Im folgenden Bild wird deutlich, dass bei gleicher Schriftgröße der Text mit den echten Kapitälchen breiter ist.

Echte und falsche Kapitälchen

Wann sollte ich Kapitälchen einsetzen?

Ich sollte Kapitälchen also nur unter zwei Voraussetzungen einsetzen:
1. In InDesign verfüge ich über einen Kapitälchen-Schriftschnitt.
2. Ich möchte Eigennamen oder Absatzanfänge besonders auszeichnen. Cool ist, dass es die Kapitälchen auch in kursiven, fetten und weiteren Stilvarianten gibt. Daher können Kapitälchen auch schön für elegant präsentierte Slogans in Banner, Flyer etc. eingesetzt werden.

Hier im Beispiel mit einem Bild von Dmitry Koksharov – Fotolia.com.

Echte und falsche Kapitälchen

Falsche Kapitälchen sollte ich weitestgehend vermeiden. Dann lieber bei Bedarf die Schrift in einem kursiven Schnitt auszeichnen.

Wenn ich mir als typografischer Laie nicht sicher bin, ob die in InDesign angezeigte Schrift echte oder falsche Kapitälchen anzeigt, kann ich es ganz einfach prüfen. Ich rufe über den Shortcut Strg+K die Voreinstellungen von InDesign auf und dort das Register Erweiterte Eingabe. Darin kann ich den prozentualen Wert der Größe der Kapitälchen einstellen. Sofern ich falsche Kapitälchen anwende, wird sich die Größe entsprechend anpassen, weil der Wert in den Voreinstellungen die Größe der “erzwungenen” Kapitälchen angibt. Bei echten Kapitälchen wird sich hingegen nichts tun, weil InDesign in diesen Fällen immer auf den vorhandenen Kapitälchen-Schnitt zurückgreift.

Echte und falsche Kapitälchen

Wir empfehlen:
InDesign-Video-Training - Basics und Tricks

Unsere Empfehlung für dich

Großprojekte in Adobe InDesign

Großprojekte in Adobe InDesign

Große Projekte in InDesign – das heißt gut planen, noch besser vorbereiten und alles ausreizen, was InDesign zu bieten hat. Das erklärte Ziel ist Effizienz und ein zufriedener Kunde.

  • Gewusst wie: Templateerstellung, effektiver Satz, Korrekturen und Co.
  • Inkl. wichtiger Hinweise zum Briefing und zu Kundengesprächen
  • Bonus: Gestaltung von vier Printdesigns von A bis Z

Zum Training